Duisburger Jungenbüro

geschlechterreflektierte Pädagogik mit Jungen* in Duisburg - seit 20 Jahren
 

Grundsätze der Jungen*arbeit

 

Jungen*arbeit ist in erster Linie eine Frage eines gendersensiblen und intersektionalen Bewusstseins und nicht eines bestimmten methodischen Vorgehens. Dabei werden Jungen* individuell in ihren Vielfältigkeiten als Jungen* gesehen und nicht ausschießlich in ihrer Identität als Kinder oder Jugendliche. Darüber hinaus werden weitere Differenzkategorien in der Arbeit berücksichtigt wie die Lebenswelterfahrungen und die soziokökonomischen Sozialisationsbedingungen der Klienten*, da diese deren individuellen Handlungsspielraum eröffnen oder beschränken. 

Grundlage für diese Form der sozialen Arbeit ist eine reflektierte Haltung des Pädagogen* über seine eigene Geschlechtlichkeit und andere Differenzkategorien sowie dessen gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Jungen* benötigen geschlechterreflektierte Erwachsene jeglichen Geschlechts, so zum Beispiel auch Crossworker*innen, zur Begleitung und Unterstützung für eine autonome Persönlichkeitsentwicklung. Dies erfordert eine ressourcenorientierte Herangehensweise, die die je eigene Veranlagung der Jungen* wertschätzt und fördert. 

Das Konzept der Jungen*arbeit beinhaltet dabei unabdingbare Prinzipien, die die vielfältigen Identitäten und Diskriminierungserfahrungen von Jungen* beachtet. Hierbei zu nennen sind:

- das Prinzip der geschützten Räume

- das Prinzip der Verschwiegenheit

- das Prinzip der Klarheit durch transparente Strukturen und Regeln

- das Prinzip der Subjektorientierung durch Würdigung der individuellen Lebenswelterfahrungen sowie einen ressourcenorientierten und differenzsensiblen Bezugskontakt

- das Prinzip der Freiwilligkeit von Seiten des Pädagogen* sowie des Jungen*

- das Prinzip der Handlungsorientierung, insbesondere die Erweiterung des Handlungsraumes durch emanzipative Befähigung zur Selbstkontrolle der autonomen Lebensplanung

- das Prinzip der Parteilichkeit für die unterschiedlichen Anliegen der Jungen*

 Jungen*arbeit ist ein Bestandteil einer geschlechterreflektierten Arbeit mit jungen Menschen. Sie tritt ein für eine Welt, in der alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben und in der sie ohne Angst verschieden sein können. Während sie sich dabei besonders auf das reflektierte Erkennen von und das engagierte Eintreten für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Jungen* fokussiert, fühlt sie sich der Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihren geschlechtlichen Identitäten verpflichtet. Sie ist somit gleichwohl antisexistisch und bezieht gegen jede Form von Diskriminierung und Benachteiligung Position. Dies markiert bereits ihre historische Entstehung aus der feministischen, parteilichen Mädchen*arbeit, auf die sie sich heute noch bezieht. Dergestalt ergibt Jungen*arbeit im gesellschaftlichen Kontext nur Sinn in der gemeinsamen geschlechterreflektierten Arbeit mit allen Geschlechtern.

Jungen*arbeit ist in ihrer Konzeptualisierung auf Nachhaltigkeit angelegt. Somit gelingt Jungen*arbeit am besten in einem institutionellen und gesellschaftlichen Kontext, welcher einen respektvollen und reflektierten Umgang mit allen Menschen sicher stellt. Insbesondere achtet eine reflektierte Jungen*arbeit darauf pädagogische Fachkräfte unterschiedlicher Fachrichtungen die individuelle Weiterentwicklung sowie professionelle Fortbildung zu ermöglichen. Unsere Priorität liegt jedoch in der direkten Arbeit mit Jungen*. Sofern wir Bedarfe nicht selber bedienen können, vermitteln wir gerne an andere Fachstellen, Einrichtungen und Initiativen.